Forum BBR – Kostenlose BBR-Prüfungsvorbereitungskurse für 10 Weddinger Schülerinnen und Schüler mit Unterstützung vom Stiftung Pfefferwerk

Ausgangslage

Die Better Education UG und das Forum für Bildung und Erziehung (FBE) engagieren sich in der Bezirksregion „Wedding Zentrum“, die zu den am stärksten benachteiligten Quartieren Berlins gezählt wird. 40% der Einwohner in dieser Bezirksregion sind Nichtdeutsche, während weitere 20% Deutsche mit Migrationshintergrund sind. Die soziale Situation ist aufgrund der verhältnismäßig hohen Anzahl an Empfängern von Transferleistungen (84,7%), dem gravierend hohen Anteil an Schulanfängern mit Sprachdefiziten (38,2%), der Zusammensetzung der Schülerschaft (Gymnasialanteil Wedding 22%, Berlin 44%), der hohen Zahl an Schulabgängern ohne Schulabschluss (26,5%; Berlin: 1,4%) und der Jugendarbeitslosigkeit von 29,8% als prekär zu bezeichnen.  Sekundarschulen, also die zusammengeschlossenen Schulen aus Real- und Hauptschule, werden zu beinahe 100% von SuS mit Migrationshintergrund besucht.          

Leider mussten wir in den letzten zwei Jahren feststellen, dass viele Sekundarschüler (davon beinahe 100% mit Migrationshintergrund) die BBR-Prüfungen (BBR = Berufsbildungsreife = Hauptschulabschluss) am Ende der 9. Klasse nicht bestehen. In verständlichen Zahlen ausgedrückt, bedeutet es, dass 55% der Sekundarschüler im Alt-Bezirk Wedding den Hauptschulabschluss am Ende der 9. Klasse nicht erreichen, während es beispielsweise in Pankow „nur“ 19% der SuS und berlinweit „nur“ 30% aller Sekundarschüler den Abschluss nicht schaffen. Somit gehört Wedding berlinweit noch hinter Kreuzberg zum Bezirk mit der schlechtesten Erfolgsaussicht auf einen Hauptschulabschluss. Ursachen dafür sind, neben dem Bildungszustand, vor allem die Ahnungslosigkeit der Eltern, die von diesen Prüfungen aufgrund der beinahe jährlichen Reformen und ihrer fehlenden Sprachkompetenz in der Regel nichts wissen. Zudem verstehen und erkennen die Jugendlichen - aufgrund ihres Alters und dem starken schulischen und medialen Fokus auf die MSA-Prüfungen am Ende der 10. Klasse - die Bedeutung dieser Prüfung nicht. Diese Situation hat zur Folge, dass die Jugendlichen ohne die bestandene BBR-Prüfung in der 9. Klasse kaum die Möglichkeit haben im Folgejahr die MSA-Prüfung (Realschulabschlussprüfung) zu bestehen und den für eine Ausbildung oder eine weiterführende Schule so wichtigen Realschulabschluss zu erwerben. Das System sieht vor, dass bei Nichtbestehen der BBR-Prüfung, diese in der 10. Klasse wiederholt werden soll. Im besten Fall bestehen die SuS die BBR-Prüfung in der 10. Klasse und verlassen die Schule mit einem Hauptschulabschluss in Berliner Qualität, was im Prinzip in der Arbeitslosigkeit mit 16 Jahren mündet. Wenn sich die SuS, die die BBR-Prüfung nicht bestanden haben, trauen sollten auf Antrag die MSA-Prüfung zu schreiben, wovon die Lehrer häufig abraten, verlassen die SuS beim Nichtbestehen der schwierigeren MSA-Prüfung die Schule ohne einen Schulabschluss.

Ziele

Zehn Jahre die Schule zu besuchen um anschließend ohne einen Schulabschluss die schulische Ausbildung zu beenden, ist für uns ein unerträglicher Zustand. Deshalb möchten wir über drei Schuljahre jährlich sechzig junge Heranwachsende und ihre Eltern im Zeitraum von August 2016 (2017, 2018) bis Mai 2017 (2018, 2019) begleiten.

Auf individueller Ebene setzt sich die FBE mit dem Projekt „ForumBBR“ das Ziel, mit einem innovativen und sinnvollen Konzept am letzten, realistischen Zeitpunkt innerhalb der Laufbahn benachteiligter Jugendlicher anzusetzen, um sie bei der Fortführung der regulären Schul- und Karrierelaufbahn zu unterstützen. Langfristig wird damit eine solide Basis für jene heranwachsende Menschen hinsichtlich ihrer darauffolgenden Prüfungen, Herausforderungen und Lebensabschnitte gelegt.

Auf räumlicher Ebene soll „ForumBBR“  einen bedeutenden, realistischen und messbaren Beitrag zur Chancengleichheit in der Bezirksregion Wedding Zentrum leisten und somit nachhaltig zur Verbesserung der sozialen und ökonomischen Strukturen beitragen. Anschließend wird das Projekt, nach Evaluation und unter der Voraussetzung eines ermittelten, messbaren Erfolges, durch alternative Finanzierungsformen (z.B. durch Patenschaften, Ehrenamt, Sponsoring) fortgeführt, um eine nachhaltige Basis zu schaffen und ggf. als Musterprojekt für andere benachteiligte Stadtteile in berlin- und deutschlandweit zu dienen.

Umsetzung

Das Projekt „ForumBBR“ fußt auf drei Säulen

1.) Elternpartizipation:

  • Durchführgun von monatlichen Eltern-Schüler-Abenden mit allen relevanten Themen zu BBR und MSA
  • Direkter und Regelmäßiger Kontakt zu den Eltern

3.) Prüfungsvorbereitung:

  • Vorbereitungskurs über 20 Unterrichtswochen hinweg in Kleingruppen (10 SuS) mit von uns in mehreren Workshops geschulten, qualifizierten und motivierten Master-Lehramtsstudierenden der Fächer Mathematik und Deutsch jeweils 1,5 Stunden pro Woche pro Fach. (Themen: alle prüfungsrelevanten Themen der 5. bis 9. Klasse in den Fächern Mathematik und Deutsch)
  • Simulationsprüfungen in den Winter- und Herbstferien in beiden Fächern
  • Crashkurse vor den Prüfungen Anfang Mai, um ein letztes Mal offene Fragen zu beantworten und Aufgaben zu üben.

3.) Evaluation:

  • systematische Erhebung der erreichten Noten sowie
  • Durchführung einer inhaltlichen und organisatorischen Evaluation des Projektes (anonyme Schüler- & Elternbefragung; Interview mit Lehrkräfte)

Finanzierung

Wir bedanken uns im Namen aller Schülerinnen und Schüler, die an diesem Kurs teilnehmen dürfen beim Stiftung Pefferwerk. Dieser finanziert das Projekt „ForumBBR“ unter folgenden Grundgedanken und Leitsätzen:

„Die Stiftung Pfefferwerk stellt Fördermittel für Vorhaben zur Verfügung, die

  • einen Beitrag zur nachhaltigen Verbesserung des sozialen, strukturellen, ökonomischen und urbanen Zusammenhalts im Gemeinwesen leisten;
  • Chancengleichheit und lokale Entwicklung, Vielfalt und Lebensqualität befördern;
  • neue Konzepte und Ideen beinhalten, die diesen Zielen dienen.“

http://www.stpw.org/f%C3%B6rderung